Zeitschrift:Ecology and evolution, 7(23), S. 10440-10450.
Arten (Vögel):Blässgans (Anser albifrons), Assuangans (Anser cygnoides)
Abstrakt:
Die ausgedehnten, durch dramatische saisonale Wasserstandsschwankungen entstandenen temporären Feuchtgebiete des Poyang-Sees bilden das wichtigste Überwinterungsgebiet für Zugvögel der Familie Anatidae in China. Der Rückgang der Feuchtgebiete in den letzten 15 Jahren hat zu Vorschlägen für den Bau eines Poyang-Staudamms geführt, um den hohen Wasserstand im Winter im See aufrechtzuerhalten. Die Veränderung des natürlichen hydrologischen Systems wird Wasservögel beeinträchtigen, die für die Nahrungsverfügbarkeit und -erreichbarkeit auf Wasserstandsschwankungen angewiesen sind. Wir verfolgten zwei Gänsearten mit unterschiedlichem Fressverhalten (Blässgänse [Anser albifrons, eine weidende Art] und Schwanengänse [Anser cygnoides, eine knollenfressende Art]) über zwei Winter mit gegensätzlichen Wasserständen (kontinuierlicher Rückgang im Jahr 2015; anhaltend hoher Wasserstand im Jahr 2016, ähnlich den nach dem Bau des Poyang-Staudamms prognostizierten Werten), um die Auswirkungen der Wasserstandsänderungen auf ihre Habitatwahl in Bezug auf Vegetation und Höhenlage zu untersuchen. Im Jahr 2015 nutzten Blässgänse die nacheinander entstandenen Wattflächen intensiv und ernährten sich von kurzen, nährstoffreichen Grasbeständen, während Schwanengänse am Ufer nach Knollen suchten. Dieser wichtige dynamische Übergangsbereich legt nacheinander subaquatische Nahrung frei und fördert das frühe Wachstum von Gräsern während des sinkenden Wasserstands. Bei anhaltend hohem Wasserstand im Jahr 2016 bevorzugten beide Arten zwar Wattflächen, suchten aber auch verstärkt Habitate mit längeren, etablierten saisonalen Grasbeständen auf, da der Zugang zu Knollen und neuem Graswachstum bei Hochwasser eingeschränkt war. Länger etablierte Grasbestände bieten beiden Arten weniger energetisch ergiebige Nahrung. Die erhebliche Verringerung geeigneter Habitate und die Beschränkung auf weniger ergiebige Nahrung durch höhere Wasserstände dürften die Fähigkeit der Gänse beeinträchtigen, ausreichend Fettreserven für den Zug anzulegen, was potenziell langfristige Auswirkungen auf ihr Überleben und ihre Fortpflanzung haben kann. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der hohe Wasserstand im Poyang-See im Sommer beibehalten, aber im Winter allmählich zurückgehen gelassen werden sollte, um neue Bereiche freizulegen und so Wasservögeln aller Ernährungsgruppen Zugang zu ermöglichen.
Die Veröffentlichung ist verfügbar unter:
https://doi.org/10.1002/ece3.3566

